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Kirche in der Welt
Ein wertvolles Gut für die Missionsschwestern

Die Kraft der Verwundbarkeit

Die Kraft der Verwundbarkeit
Sr. Anne, aus Nigeria stammende Missionsschwester, in einem Flüchtlingscamp in Abuja (Nigeria).
Im Folgenden veröffentlichen wir Auszüge aus einem Vortrag, gehalten im Rahmen der letzten Vollversammlung der Internationalen Vereinigung von Generaloberinnen im Mai 2022.

Von Sr. Anne Falola


Verwundbarkeit ist eine grundlegende Eigenschaft jeder authentischen christlichen Mission, denn wir sind berufen, Christus nachzufolgen: »Er war Gott gleich, hielt aber nicht daran fest, Gott gleich zu sein, sondern er entäußerte sich und wurde wie ein Sklave« (Phil 2,6-7). Die Kenosis Christi macht die Verwundbarkeit zu einem Weg, missionarisch zu sein, und zu einem wichtigen missionarischen Werkze u g . Die Einladung von Papst Franziskus zu einem synodalen Prozess ist letztlich ein erneuerter Aufruf zur Mission, aber nicht aus der herkömmlichen Position der Macht und Autorität heraus. […] Dieses Ziel kann nicht erreicht werden, ohne unsere Verwundbarkeit zu akzeptieren und anzunehmen. Für uns als Missionarinnen ist die Verwundbarkeit eine Bereicherung für die Mission und keine Belastung, denn sie gestattet es uns, tiefer in die menschliche Wirklichkeit einzudringen durch unsere eigene Teilhabe an dem, was schwach, unterdrückt und arm ist. Wenn wir unsere eigene Verletzlichkeit annehmen, kommen wir den Menschen näher, die Licht und Befreiung brauchen. […] Afrika wird manchmal als der »Garten der Kirche im 20. Jahrhundert« bezeichnet, weil die Kirche auf dem afrikanischen Kontinent im 19. und 20. Jahrhundert ein faszinierendes Wachstum erlebt hat. […] Von schätzungsweise 4 Millionen, die sich im Jahr 1900 zum Christentum bekannten, ist das afrikanische Christentum bis zum Jahr 2000 auf über 300 Millionen Gläubige angewachsen.

Dies hat unter anderem zur Folge, dass es keine Länder gibt, die ausschließlich Missionare aussenden und andere, die ausschließlich Objekt der Mission sind. […] Die Geographie der Mission hat sich geändert! Gottlob hat sich die christliche Mission nunmehr von ihrer historischen Bindung an Kolonialisierung und Verwestlichung gelöst Ich bin oft gefragt worden, warum Afrikaner die Mühe auf sich nehmen sollten, ihren Kontinent als Missionare zu verlassen, angesichts der vielen Probleme, die wir haben. Darauf antworte ich, dass die Berufung zur Mission kein Wettkampf der Selbstgenügsamkeit ist, bei dem nur diejenigen mitmachen können, die stark sind und keine Probleme haben. Diese ausschließende Tendenz ist problematisch, insofern sie Mission mit Macht, politischem Einfluss, materiellem Wohlstand, Kolonialisierung und Herrschaft in Verbindung bringt. Als afrikanische Missionarin sehe ich mich berufen, dieses Narrativ zu ändern und Neuheit, Einfachheit und Energie einzubringen, losgelöst von wirtschaftlicher und politischer Macht.

Verwundbarkeit ist zwar für die Mission unerlässlich, aber sie ist nicht leicht zu verwirklichen. Die Missionare, die ich in meiner Kindheit kennenlernte, galten nicht als verletzliche Männer und Frauen. Meine missionarische Berufung wurde von den irischen Missionaren geweckt, die in meinem Heimatland Pionierarbeit in den Bereichen Bildung, Gesundheit, Seelsorge und Sozialarbeit leisteten. Sie waren beliebt und hochgeachtet. Doch meine Wunschvorstellung, selber auch diese heldenhafte, von allen bewunderte Missionarin zu werden, ging plötzlich in die Brüche! [...]
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