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Ein Schlüsselwerk der Liebesphilosophie der Renaissance (Aldine II 8)
EinDer italienische Humanist und Kardinal Pietro Bembo stammte aus einer angesehenen venezianischen Adelsfamilie und wurde am 20. Mai 1470 in Venedig geboren. Durch seinen Vater, der als Gesandter auch Kontakte zu bekannten Humanisten pflegte, kam Pietro schon in jungen Jahren mit diesen gebildeten Kreisen in Berührung. Früh erwarb er sich hervorragende Kenntnisse in Latein und Griechisch und ab 1497 studierte er in Ferrara Philosophie, wo er in den Hof von Herzog Ercole I. d’Este (1431-1505), ein bedeutendes humanistisches Zentrum, eingeführt wurde. Die aus einer Liebesbeziehung gewonnenen Erfahrungen verarbeitete er in dem schon 1497 begonnenen Frühwerk Gli Ascolani (»Die Ascolaner « oder »Ascolaner Gespräche«). Nachdem er als Diplomat wenig Berufsaussichten hatte, entschied er sich 1500 für eine kirchliche Karriere. Der Aufstieg Bembos, der sich seit 1511 in Rom aufhielt, erfolgte erst unter Leo X. (1513- 1521). Bereits als Brevensekretär erwarb er sich den Ruf eines gewandten Sprachkenners; daneben wurde er in einer diplomatischen Mission nach Venedig entsandt. Gesundheitsprobleme nach einer Erkrankung (1518) bewogen ihn, die Aufgaben in der Kurie zurückzulegen. Das Verhältnis zu einer verheirateten Frau, mit der er zwei Söhne hatte, verheimlichte er nicht. Diese Zeit, in der Bembo in Padua lebte, gilt als Höhepunkt seines literarischen Schaffens. Die unterbrochene kirchliche Laufbahn setzte er unter Paul III. (1534-1549) wieder fort, und nach der Kardinalsernennung 1539, in dem Jahr, in dem er auch zum Priester geweiht wurde, übersiedelte er wieder nach Rom. Um theologische Fragen kümmerte er sich nicht, war aber an der spirituellen Reformbewegung im Umkreis von Vittoria Colonna (1492-1547) aktiv, das heißt er war der Ansicht, dass Luthers Thesen offen diskutiert werden sollten.

Bembo bemühte sich in den lateinischen und italienischen Werken um eine klare Sprache und einen einheitlichen Stil und überarbeitete seine Texte mehrmals. Cicero galt ihm als nachahmenswertes Vorbild beim Schreiben lateinischer Abhandlungen. Diese Schriften wurden wegen des reinen Lateins bereits von den Zeitgenossen sehr geschätzt. In seinem Erstlingswerk »De Aetna« beschrieb der Verfasser die Besteigung des Vulkans mit seinem Vater. Die Schrift wurde wie die meisten aus seiner Feder von dem damals bekanntesten Buchdrucker und Verleger, Aldo Manuzio (1449-1515), der erstmals eine neue Schriftart für klassische Texte verwendete, 1496 herausgegeben. In der zeitgeschichtlichen Darstellung von Venedig von 1486 bis 1513 nahm der Verfasser auch auf historische Ereignisse außerhalb der Lagunenrepublik Bezug. [...]
 
Dr. Christine Grafinger

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