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Kultur
Die Kuppel des Petersdoms als Gemeinschaftsprojekt

Vollendung eines Meisterwerks

Vollendung eines Meisterwerks
Wenn die Römer »Il Cupolone« (Die große Kuppel) sagen, dann weiß jeder, dass damit der Petersdom gemeint ist.
Am Freitagabend, den 18. Februar 1564, starb Michelangelo, umgeben von seinen allernächsten Freunden, zwei Dienern und zwei Ärzten in seinem Haus in der Nähe der Trajanssäule. Er war 89 Jahre alt. Die letzten siebzehn, sehr anstrengenden Jahre hatte er auf der Baustelle des Petersdoms verbracht, um die 1506 von Bramante begonnene Basilika zu vollenden. Unter seiner Leitung begann der Petersdom die Gestalt anzunehmen, die wir heute sehen. Pfeiler und Absiden des Transepts wurden hochgezogen, die Außenseite wurde mit großen Travertinblöcken verkleidet, man begann mit der Wölbung des Nordarms. Aber vor allem arbeitete man an der majestätischen Kuppel, die sich genau über dem Petrusgrab erheben sollte. Michelangelo wusste, dass ihm aufgrund seines vorgerückten Alters nur wenig Zeit blieb. 1554, im Alter von knapp 80 Jahren, hatte er geschrieben: »Angekommen bin ich fast im Laufe des Lebens über wilde Meeresfluten mit meinem schwachen Schifflein.« Und im Archiv der Dombauhütte ist ein Brief erhalten, in dem er als 87-Jähriger schreibt: »Io ci metto il corpo e l’anima p[er] S[an]to Pietro«, das heißt dass er seine ganze Kraft, »Leib und Seele«, für den Petersdom einsetzt.

Es fehlte nicht an Neid und Konkurrenzkampf: Das machte die Arbeit, die bereits an sich an die Grenzen menschlicher Möglichkeiten stieß, noch komplizierter. So hatten zum Beispiel die Verantwortlichen der Dombauhütte unbegründeten Anschuldigungen und Gerede Gehör geschenkt und bereits 1548 einen Spion engagiert, um Michelangelo bei der Arbeit zu kontrollieren. Man beauftragte einen »sehr diskreten, intelligenten und rechtschaffenen« Soprastante [eine Art Bauleiter], »der nichts anderes tun sollte, als die Augen offen zu halten und zu berichten«, wie es in einer Quelle im Archiv der Dombauhütte heißt. Der Spion wurde jedoch zuerst abgemahnt und dann entlassen, offenbar hatte er sich selbst etwas zuschulden kommen lassen.

Außerdem musste Michelangelo in seinen letzten Lebensjahren Pirro Ligorio ertragen, der zum »Architetto dei Sacri Palazzi«, das heißt zum päpstlichen Architekten, ernannt worden war und öffentlich in Frage stellte, dass Michelangelo bei klarem Verstand sei. Auch gegen Nanni di Baccio Bigio musste er sich verteidigen, der einflussreiche Unterstützer hatte und den Meister verleumdete, weil er dessen Posten anstrebte. Insbesondere kritisierte er die strukturelle Schwäche des Kuppeltambours, der das Gewicht einer doppelten halbkugelförmigen Kuppel niemals tragen könne. Guglielmo della Porta, der im Petersdom am Grabmal Papst Pauls III. arbeitete, schlug in dieselbe Kerbe. Er war der Ansicht, dass es nur eine Kalotte geben dürfe, da die vier Vierungspfeiler die Druckkräfte der zwei Kuppelschalen niemals auffangen würden und nicht entsprechend verstärkt werden könnten. Francesco Laparelli, Ingenieur und Baumeister, schlug vor, die Fliehkräfte mit der Hilfe eines Strebewerks abzufangen.

Trotz aller Gegnerschaft und beißender Kritik setzte Michelangelo den Bau der Kuppel bis zum letzten Tag seines Lebens fort. 1564 waren die Pendentifs und der Tambour abgeschlossen, dem nur noch außen Kapitelle und Gesims fehlten. Diese wurden von Vignola vollendet. Aber die eigentliche Kuppel, oder besser die »doppelte Kuppel« war unvollendet geblieben, wie dies auf zahlreichen Gemälden, Drucken und Zeichnungen zu sehen ist. [...]
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