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Die Hymne des Papstes und des Vatikanstaates

»Von ernsthaftem und religiös geprägtem Ductus«

»Von ernsthaftem und religiös geprägtem Ductus«
Von Ulrich Nersinger

1869 war es dem seligen Pius IX. (1846-1878) vergönnt, sein Goldenes Priesterjubiläum zu feiern. Die offiziellen Festlichkeiten fanden am 11. April des Jahres statt. Zu Ehren des Papstes war für den Nachmittag ein beeindruckendes Konzert angekündigt worden. Sieben päpstliche Militärorchester hatten vor der Fassade des Petersdoms Aufstellung genommen – die Kapellen der Gendarmerie, der Linieninfanterie, des Jägerkorps, der Zuaven, der Römischen Legion, der Dragoner und der Carabinieri Esteri. Unterstützt wurden die Musiker von einem tausend Mann starken Chor, der sich aus Angehörigen aller Streitkräfte des Kirchenstaates zusammensetzte. Der Papst wohnte dem Konzert von der Loggia der Basilika aus bei.

Huldigung zum Jubiläum

Ein Musikstück wurde von den Zuhörern mit frenetischem und nicht enden wollendem Applaus aufgenommen. Die Begeisterung war so groß, dass es immer wieder aufs neue von den Kapellen gespielt werden musste. »La musica fu replicata più volte – die Musik wurde mehrmals wiederholt«, hieß es einen Tag später im L’ Osservatore Romano. Es handelte sich um ein eigens für das Priesterjubiläum des Papstes verfasstes Werk, um die Marche pontificale. Der Schöpfer des Werkes war kein Geringerer als der berühmte französische Komponist Charles Gounod (1818-1893). Gounod, dem die Musikwelt viele bekannte Lieder, Oratorien und Opern (unter anderem »Margarethe«) zu verdanken hat, galt als ein tiefgläubiger Katholik und glühender Verehrer Pius’ IX., für den es eine große Ehre gewesen war, zum Jubiläumsfest des Papstes einen Huldigungsmarsch zu schreiben.

Der Marsch hatte eine ungeheure Zustimmung gefunden. Und so mancher, der seiner Erstaufführung beigewohnt hatte, wünschte sich, ihn öfter und auch bei offiziellen Anlässen zu hören. Doch der Papst besaß schon eine eigene Hymne, die Gran Marcia Trionfale, die 1857 von dem österreichischen Militärmusiker Viktorin Hallmayr komponiert worden war. Hallmayr war Kapellmeister beim Regiment »Graf Kinsky«, dem 47. Linieninfanterie-Regiment der in den Päpstlichen Staaten stationierten österreichischen Schutztruppe, gewesen. Er hatte den Marsch anlässlich der Fahrten geschrieben, die Pius IX. 1857 in seinen Staaten und dem Großherzogtum der Toskana unternommen hatte. Wann genau das Musikstück zum ersten Mal zur Aufführung kam, darüber gehen die zeitgenössischen Berichte auseinander. Eine Quelle will wissen, dass es zum ersten Mal am 9. Juni 1857 in Bologna erklang; eine andere gibt den 21. August 1857 als Datum an; eine dritte nennt den 5. September 1857: an diesem Tag hätten acht Musikkapellen den Marsch in Florenz gespielt, als der Heilige Vater aus Pistoia in die Hauptstadt der Toskana zurückkehrte. Sicher ist jedenfalls, dass er Pius IX. in »suo ritmo vivace e brioso – seinem lebhaften und feurigen Rhythmus« so gut gefiel, dass er anordnete, ihn als offizielle Hymne für die Päpstlichen Staaten zu verwenden.

In der Vorbereitungsphase für das Heilige Jahr 1950 wurde Papst Pius XII. (1939-1958) von verschiedenen Seiten geraten, an Stelle der alten Papsthymne doch Gounods Marsch zu setzen. Dessen ernsthafter und religiös ausgerichteter Ductus sei in vielfacher Hinsicht angemessener. Der Heilige Vater. der von sich aus anmerkte, dass ihm Hallmayrs Musikstück oft »come un valzer – wie ein Walzer« vorgekommen sei, stimmte dem Vorschlag seiner Ratgeber bereitwillig zu. Am 24. Dezember 1949, dem Tag der Öffnung der Heiligen Pforte, fand im Damasushof des Apostolischen Palastes eine besondere militärische Zeremonie statt. Die Päpstliche Palatingarde war feierlich aufgezogen, begleitet von ihrer Gardekapelle, siebzig Musikern und sechzehn Trommlern. Der Kommandant der Garde verlas den Tagesbefehl, in dem auf Weisung des Päpstlichen Staatssekretariates angeordnet wurde, dass mit sofortiger Wirkung Gounods Marche Pontificale als neue Hymne des Papstes und des Vatikanstaates zu gelten habe. Dann kam es, wie es Antonio De Luca, der Kapellmeister der Palatingarde, treffend ausdrückte zum einem musikalischen »cambio di guardia – Wachwechsel«: ein letztes Mal spielte die Kapelle den Marsch Viktorin Hallmayrs, unmittelbar danach erklang Gounods Werk als neue Päpstliche Hymne.

Seit dem Heiligen Jahr 1950 erklingt die Hymne bei offiziellen Besuchen von Monarchen und Staatsoberhäuptern in der Vatikanstadt und in Castel Gandolfo. Spendet der Heilige Vater aus Anlass seiner Wahl oder zu Ostern und Weihnachten »urbi et orbi – der Welt und dem Erdkreis« den Apostolischen Segen, wird der Inno e Marcia Pontificia auf dem Petersplatz zur Aufführung gebracht. Wenn der Heilige Vater zu bedeutenden weltlichen oder kirchlichen Feiern einen Päpstlichen Legaten entsendet, erklingt er in dem betreffenden Land zur Begrüßung und Verabschiedung des Legaten. Seitdem die Päpste wieder häufiger selber reisen, und die Hymne daher bei den offiziellen Zeremonien erklingt, ist sie den Gläubigen in aller Welt bestens vertraut. [...]
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