Wir sind heute Abend hier versammelt, um der Bitte nachzukommen, die die Muttergottes durch die heilige Bernadette an die Priester gerichtet hat: »Man soll in Prozessionen hierher kommen.« Wie bewegend ist es, zu sehen, wie das Gottesvolk über Generationen hinweg mit Liebe und Vertrauen auf die liebevolle Einladung der Jungfrau Maria antwortet. Wie tröstlich ist es, Christen innig und gläubig Lieder singen zu hören und zu sehen, wie sie mit einer Kerze in der Hand auf ihre himmlische Mutter zugehen, die Mutter, die Jesus am Kreuz auch uns zur Mutter gegeben hat.
Dieses Licht, das uns leitet und anzieht, ist das Licht der Hoffnung, das uns auf unserem Lebensweg nie verlässt. Dieser ist zwar oft gesäumt von Prüfungen, aber auch schon durchdrungen von der Freude darüber, dass wir von Jesus geliebte und erlöste Kinder Gottes sind. Kranke Menschen sind besondere Zeugen dieser Verwandlung des Lebens durch den Glauben und die Liebe zu Gott und den Mitmenschen. Um das wirklich zu verstehen, muss man hierherkommen und gemeinsam mit euch, liebe Kranke, an dieser Prozession teilnehmen. Wie Papst Pius XII. sagte: »Niemand hat jemals an einem einzigen Ort auf der Erde eine solche Prozession des Leidens gesehen, noch nie einen solchen Glanz des Friedens, der Gelassenheit und der Freude!« (Enzyklika Le pèlerinage de Lourdes, 2. Juli 1957).
Wenn dieses Wunder, dass im Leiden Gelassenheit und Freude aufkommen kann, möglich ist, dann deshalb, weil Gott uns die Gnade schenkt, unseren Blick auf eine fernere Zukunft zu richten, die jenseits unseres irdischen Horizonts liegt: eine Zukunft unendlicher Glückseligkeit in Gott, die uns sicher zuteilwird, wenn wir im Glauben und in der Liebe standhaft bleiben. Dazu ermutigt uns der heilige Paulus: »Die Leiden der gegenwärtigen Zeit bedeuten nichts im Vergleich zu der Herrlichkeit, die an uns offenbar werden soll« (Röm 8,18). Behaltet diese goldenen Worte stets im Gedächtnis, liebe Kranke: Die Leiden der gegenwärtigen Zeit bedeuten nichts im Vergleich zu der Herrlichkeit, die an uns offenbar werden soll.
Wir sind also gerufen, unseren Weg treu fortzusetzen, immer weiter, solange uns noch Lebenstage auf dieser Welt geschenkt sind. Maria geht uns darin voran. Und wir werden voll Vertrauen zu ihr eilen, zu ihr, deren Unbefleckte Empfängnis wie ein Leuchtfeuer in der Nacht erstrahlt. »So ist sie das Zeichen für den Sieg der Liebe und des Guten, für den Sieg Gottes. Sie gibt unserer Welt die Hoffnung, die sie braucht. Richten wir heute Abend unseren Blick auf Maria, die so glorreich und so menschlich ist, und lassen wir uns von ihr zu Gott, dem Sieger, führen« (Benedikt XVI., Predigt bei der Lichterprozession, 13. September 2008). [...]
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