Liebe Brüder und Schwestern,
guten Tag!
Ich freue mich, diesen zweiten Tag in Paris gemeinsam mit euch zu beginnen, in einem Haus, das der ganzen Stadt bezeugt, dass es möglich ist, einander zu begegnen und in Würde und Frieden zusammenzuleben. Ich danke der Erzdiözese Paris, den Scalabrini- Schwestern sowie allen Mitarbeitern und ehrenamtlichen Helfern, die diesen Ort mit Leben füllen und im Dienst derer stehen, die hier Aufnahme, ein offenes Ohr, Bildungsangebote und Freundschaft finden. Mein besonderer Dank gilt denen, die uns Zeugnis gegeben haben.
Der Name eures Sozial- und Integrationszentrums verweist auf die heilige Bakhita und veranlasst uns, die grundlegende Rolle der Frauen beim Aufbau einer Zivilisation der Liebe anzuerkennen, die eine Alternative darstellt zu jener Kultur, die Gemeinschaften zersetzt und die Städte an Einsamkeit erkranken lässt. Die Geschichte der Kirche und der Menschheit wird, genauer betrachtet, nicht von denen geschrieben, die scheinbar siegen, indem sie sich durchsetzen und Räume besetzen, sondern von denen, die »Raum schaffen «, Prozesse des Friedens in Gang setzen, Vertrauen wecken und zum Leben ermutigen. Es geht dabei nicht um einfache Gefühle, sondern um unkonventionelle Entscheidungen und Investitionen, deren gesellschaftliche Relevanz und Zukunftsträchtigkeit wir immer besser verstehen. Die heilige Bakhita verpflichtet uns, jene zu sehen, die nicht gesehen werden, jene zu befreien, die heute von der Wirtschaft und der Kultur zu Sklaven gemacht werden und die unendliche Würde jedes Bruders und jeder Schwester zu ehren, in denen Jesus selbst an unsere Tür klopft.
Meine Lieben, »tatsächlich sind die Armen für die Christen keine soziologische Kategorie, sondern das Fleisch Christi selbst. Es genügt nämlich nicht, die Lehre von der Menschwerdung Gottes allgemein zu verkünden; um wirklich in dieses Geheimnis einzutreten, muss man genauer sagen, dass der Herr Fleisch angenommen hat, das hungert, dürstet, krank ist und gefangen« (Apostolische Exhortation Dilexi te, 110). Der arme und gekreuzigte Christus lässt sich in Männern und Frauen finden und lieben, welche uns dazu aufrufen, aus uns selbst herauszutreten und den Mut zur Liebe aufzubringen. [...]
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