Liebe Brüder, liebe Schwestern,
manche sagen, der Regen sei ein Zeichen für Gottes Segen. Bitten wir darum, dass es so ist. Und lasst uns diesen Moment auch als Zeichen der Nähe Gottes erleben, Gott, der uns nie verlässt.
Ich habe euren Worten aufmerksam zugehört. Danke für eure Klarheit und dafür, dass ihr uns gezeigt habt, dass auch inmitten von Schwierigkeiten die Menschenwürde und die Hoffnung niemals verloren gehen. Heute bin ich hier, um euch etwas ganz Einfaches zu sagen: Niemand ist von der Liebe Gottes ausgeschlossen! Jeder von uns, mit seiner eigenen Geschichte, seinen Fehlern und seinem Leid, ist und bleibt in den Augen des Herrn wertvoll. Das können wir mit Gewissheit sagen, denn Jesus hat uns dies in jeder Begegnung, in jeder Geste und in jedem Wort offenbart. Selbst als er ohne jede Schuld verhaftet, verurteilt und hingerichtet wurde, hat er uns bis zum Ende geliebt und damit gezeigt, dass er an die Möglichkeit glaubt, dass die Liebe selbst das verhärtetste Herz verwandeln kann.
Auf dieser meiner Reise erlebe ich Äquatorialguinea als ein Land, das reich an Kulturen, Sprachen und Traditionen ist. Eure Familien, eure Gemeinschaften und euer Glaube sind eine große Kraft für diese Nation. Auch ihr seid Teil dieses Landes. Die Rechtspflege hat zum Ziel, die Gesellschaft zu schützen, doch um wirksam zu sein, muss sie stets auf die Würde und das Potenzial jedes Einzelnen setzen. Wahre Gerechtigkeit zielt nicht so sehr darauf ab, zu bestrafen, sondern vor allem darauf, dabei zu helfen, sowohl das Leben der Opfer als auch das der Täter und der vom Übel geschädigten Gemeinschaften wiederaufzubauen. Es gibt keine Gerechtigkeit ohne Versöhnung. Es ist eine gewaltige Aufgabe, die zum Teil im Gefängnis und zum noch größeren Teil unter Einbeziehung der gesamten nationalen Gemeinschaft erfolgen muss, um die durch Ungerechtigkeit verursachten Wunden zu verhüten und zu heilen.
Ich möchte vor allem über Hoffnung und Veränderung zu euch sprechen. Auch wenn das Gefängnis als ein Ort der Einsamkeit und Trostlosigkeit erscheint, kann diese Zeit – wie bereits gesagt wurde – zu einer Zeit der Besinnung, der Versöhnung und des persönlichen Wachstums werden. So soll beispielsweise alles getan werden, damit ihr im Gefängnis die Möglichkeit habt, zu studieren und in Würde zu arbeiten. Das Leben wird nicht nur durch begangene Fehler bestimmt, die meist das Ergebnis schwerer und komplexer Umstände sind: Es gibt immer die Möglichkeit, wieder aufzustehen, zu lernen und ein neuer Mensch zu werden. [...]
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