Liebe Brüder und Schwestern,
mit großer Freude beginne ich meinen Besuch, indem ich zusammen mit euch in dieser Kathedrale die Mittagshore bete.
Das Zweite Vatikanische Konzil bezeichnete das Stundengebet als »die Stimme der Braut, die zum Bräutigam spricht« (Sacrosanctum Concilium, 84) und als »das Gebet, das Christus vereint mit seinem Leib an den Vater richtet« (ebd.). Auch die Lesung, die wir gehört haben, betont, dass wir »durch den einen Geist in der Taufe alle in einen einzigen Leib aufgenommen wurden« (1 Kor 12,13). Wir können uns daher in unseren Überlegungen von diesen beiden Bildern leiten lassen: dem der Braut und dem des Leibes.
Das erste Bild erinnert uns daran, dass die Kirche – und insbesondere diese Versammlung, die reich ist an Gaben, Charismen und den vielfältigen Lebensgeschichten jedes Einzelnen – vor allem eine geliebte Braut ist. Gott hat euch hierhergeführt, weil er in euch und in eurem Zusammensein eine einzigartige und heilige Schönheit und Güte liebt. Er hat euch erwählt, heute die Gemeinschaft der Heiligen (vgl. 1 Kor 1,2) in Barcelona zu repräsentieren. Und in diesem Bewusstsein lade ich euch ein, einmütig den Vorsatz zu erneuern, gemeinsam – alle, Gläubige und Hirten – in der Nachfolge Christi der Fülle des Lebens entgegenzugehen. Die Kirche ist Frucht eines Aktes der Liebe, die ihr vorausgeht und von Gott kommt, und sie wächst vor allem dadurch, dass sie sich von ihm lieben lässt, vereint, mit einem demütigen und dankbaren Herzen. Denn nur wer sich von Gott lieben lässt, kann gemeinsam mit anderen Werke der Liebe vollbringen.
In diesem Zusammenhang empfahl Papst Franziskus vor einigen Jahren dieser Diözesangemeinschaft »von der Begegnung mit Christus « auszugehen, um »in der Geschwisterlichkeit und in der Verkündigung der »Frohbotschaft des Evangeliums« zu wachsen (Video - botschaft anlässlich der Einweihung des Turms der Jungfrau Maria der der Basilika Sagrada Fa m i l i a , 8. Dezember 2021). Ein Jahr später wiederholte er gegenüber den Seminaristen dieser Diözese, die als Pilger in Rom waren: »Hört niemals auf, diese besondere Liebe, die reichlich in eure Herzen strömt und auch weiterhin strömen wird, zu verkosten und sie euch wieder in Erinnerung zu rufen […]. Löscht niemals dieses Feuer, das euch zu unerschrockenen Verkündern des Evangeliums machen wird« (Ansprache an die Gemeinschaft des Priesterseminars von Barcelona, 10. Dezember 2022).
Seine Worte zeigen, welches Klima wir in unserem Umfeld, in den Familien, in den Pfarreien, an den Arbeits- und Ausbildungsstätten, in den Einrichtungen der Kurie und in jedem anderen Lebensbereich verbreiten sollen: ein familiäres Klima, in dem wir zusammen leben, uns unserer gemeinsamen Kindschaft und Berufung bewusst sind, solidarisch, offen, fähig zu Barmherzigkeit, Opfer, gegenseitiger Achtung und Vergebung.
Liebe Freunde! Barcelona blickt diesbezüglich auf eine große kirchliche Tradition zurück. Daran erinnerte der heilige Johannes Paul II., als er bei seinem Besuch hier den »gastfreundlichen Geist« lobte, der »euch Einwohner Barcelonas und Kataloniens im Laufe der Geschichte dazu gebracht hat, mit unzähligen Menschen die menschliche und christliche Bürgerschaft zu teilen« (Angelus, Barcelona, 7. November 1982). Er ermutigte euch, »vor der Kirche zu verkünden, dass diese Stadt und diese Region ein geräumiges und für die christliche Geschwisterlichkeit offenes Zuhause sind« (ebd). [...]
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