Liebe Brüder und liebe Schwestern, guten Abend!
Ich nehme an, dass es für einen Fußballspieler ein echtes Lebenserlebnis ist, in diesem Stadion ein Tor zu schießen. Aber, Don José: Heute hat die Kirche von Madrid ein Tor gemacht, das für immer in Erinnerung bleiben wird! Danke.
Dieser Abend ist ein großer Lobgesang des Glaubens und es freut mich, meine Stimme mit der euren zu vereinen, um Gott zu preisen und die Beziehungen einer so schönen kirchlichen Familie zu stärken, die die Kunst der Polyphonie lernt, das heißt der Einheit in der Vielfalt. Ich danke eurem Erzbischof Don José dafür, dass er das Bild des Gesangs herangezogen hat, das zeigt, dass Zahlen, Daten und Fakten nicht ausreichen, um Gemeinschaft zu schaffen: Unser Herz muss singen, das heißt, die Ereignisse und Situationen interpretieren und gemeinsam mit den anderen den Sinn feiern, den sie vermitteln. Für die Kirche geschieht dies in besonderer Weise in der Liturgie, dem großen Gedächtnis der Geschichte, die uns gerettet hat.
Das Singen ist ein Bedürfnis, das das Miteinander prägt und die Kultur anregt, sie dazu anspornt, offen zu bleiben und sich ständig weiterzuentwickeln. Ihr seid die diözesane Kirche inmitten eines Volkes, das Musik, Tanz und das Beisammensein liebt, das aber auch Konflikte, Resignation und manchmal Verzweiflung kennt – Situationen, in denen das Evangelium einen Weg zur Hoffnung eröffnen kann. Ihr bezeugt das Evangelium in der Hauptstadt eines großen europäischen Landes, Sitz von Institutionen und Organisationen, in denen wichtige Entscheidungen für Gegenwart und Zukunft getroffen werden, aber auch Ziel von Millionen von Besuchern und Brüdern und Schwestern auf der Suche nach neuen Chancen. Eure Freude wird ansteckend, wenn sie sich von einem flüchtigen Gefühl zu einer beständigen Lebenshaltung wandelt, zu einem tiefen Gefühl, das Menschen, Gruppen und die Diözesangemeinschaft erneuert. Es ist kein Zufall, dass die Apostel in ihren Schriften die Gemeinden oft zur Freude aufrufen und sie fast wie ein Gebot empfehlen. Es ist das E va n - gelii gaudium, eine gemeinsame Antwort auf das Wirken Gottes in Jesus Christus: Sein Leben, sein Tod und seine Auferstehung haben die Wahrnehmung der Geschichte derer, die ihm begegnet sind und ihm gefolgt sind – au f unterschiedliche Weise und auf unterschiedlichen Wegen –, für immer verändert. Auch heute drängt uns die Liebe Christi (vgl. 2 Kor 5,14) – das von Paulus verwendete Verb bedeutet zudem »uns gefangen nehmen«, »uns zusammenhalten«, »uns besitzen« – und ruft uns so zu einem verantwortungsvollen Handeln auf.
Ja, liebe Brüder und Schwestern, wie einige von euch heute Abend bezeugt haben, verändert die Taufe das Leben wirklich. Unser Empfinden, unsere Herkunft und unsere Prioritäten finden in Christus zusammen und werden aus seinem Leben genährt, wie die Reben am Weinstock. Konkret bedeutet dies, dass vieles, was bereits in unseren Herzen da war, verwandelt wird, denn es richtet sich auf den Dienst aus, hört auf, eine private Gabe zu sein, und dient dem Gemeinwohl. Man muss keine Angst davor haben, dass dies zu Einförmigkeit führt. In dieser Hinsicht bezeugt das Neue Testament in der Vielfalt seiner Stimmen die Gemeinschaft in der Verschiedenheit, das heißt jene Art der Verständigung, die in Babel verloren ging, wo alle, so die biblische Erzählung, ein totalitäres und rein menschliches Projekt unternahmen und schließlich ihren Nächsten nicht mehr verst anden. [...]
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