»Herr, unser Herr, wie gewaltig ist dein Name auf der ganzen Erde!« (Ps 8,2.10). Mit dem Lobgesang dieses Psalms, der so voller Freude und Staunen ist, grüße ich euch alle, liebe Brüder und Schwestern. Ich spreche Euren Majestäten meine Dankbarkeit aus, ich danke Kardinal Juan José Omella, Erzbischof von Barcelona, sowie den anderen Brüdern im Bischofsamt und all jenen, die sich unserem Gebet anschließen: den Priestern, Diakonen, Ordensleuten und Seminaristen. An diesem Abend, einem Festtag für die ganze Stadt Barcelona, richte ich meinen dankbaren Gruß an die nationalen, regionalen und lokalen Behörden sowie an die Mitglieder anderer christlicher Gemeinschaften und anderer Religionen, die an unserer Danksagung teilnehmen.
Heute empfängt uns die Basilika Sagrada Família in dieser schönen Stadt und öffnet ihre Türen wie weit ausgebreitete Arme, um jeden an diesen Altar einzuladen und um das Wort Gottes zu hören. Dieses Gotteshaus lässt uns zu einer vom Herrn geliebten Familie werden, die er durch sein eigenes Leben in der Eucharistie nährt. So versammeln sich die Stadt Barcelona und ganz Katalonien in diesem Gotteshaus als einem Zeichen der Einheit und der Eintracht, und erheben die Augen , um dem Antlitz Gottes, des Vaters, zu begegnen, das in seinem menschgewordenen Sohn Jesus Christus erstrahlt.
Während wir dem Herrn für seine Güte uns gegenüber danken, preisen wir ihn für das, was er in unserem Leben wirkt. Wir danken ihm insbesondere für diese außergewöhnliche Basilika, die Papst Benedikt XVI. im Jahr 2010 geweiht hat, und erinnern daran, dass sie ein sichtbares Zeichen des unsichtbaren Gottes ist, zu dessen Ehre ihre Türme emporragen (vgl. Predigt zur Weihe, 7. November 2010). In Fortführung des Gebets meines Vorgängers werde ich gleich den höchsten Turm segnen, den Christusturm.
Diese Kirche ist ein einziges Gebäude, das aus vielen Steinen besteht. Ein Haus, das im Laufe der Jahre stetig wächst, nach einem einheitlichen Entwurf. Wir alle sind die lebendigen Steine dieses Bauwerks, das Christus als Fundament und Höhepunkt, als Anfang und Ende hat. Die Basilika Sagrada Família ist weit mehr als nur ein Denkmal; sie ist bis heute ein Bauwerk im Entstehen, das uns daran erinnert, dass das christliche Leben stets ein Weg ist, denn es handelt sich um ein Projekt, das Gott verwirklicht.
Wir bewohnen also kein unvollendetes Werk, sondern ein Gotteshaus, das noch im Bau ist. Seine Unvollkommenheit ist kein Mangel, denn sie zeugt von einer Sehnsucht; sie bedeutet nicht ein Fehlen von etwas, sondern drückt ein Versprechen aus, das wir konsequent einhalten wollen. Unsere Dankbarkeit wird so zu einer Verpflichtung, während wir am Plan Gottes mitwirken, das heißt an dem Bauwerk, zu dem er uns selbst beruft. Da wir Tempel des Heiligen Geistes sind (vgl. 1 Kor 6,16.19), fällt dieses Werk mit unserem Leben zusammen, das Gott als ein Meisterwerk versteht, das wir gemeinsam verwirklichen sollen.
In diesem Zusammenhang bewahren wir das Wort, das der Herr an König David richtete, in unserem Herzen: »Du willst mir ein Haus bauen, damit ich darin wohne?« (2 Sam 7,5). Im Gegenteil: »Nun verkündet dir der Herr, dass der Herr dir ein Haus bauen wird« (V. 11). Mit dieser Verkündigung sagt uns die Heilige Schrift, dass nicht wir es sind, die Gott einen Platz geben, als wäre er ein Element einer Reihe oder Teil eines Ganzen, das größer ist als er selbst. Vielmehr ist es Gott, der uns einen Platz gibt, und der Ort, den er uns schenkt, ist sein eigenes Herz: der Ort des Sohnes für uns, die wir Fremde waren; der Ort des Geliebten für uns, die wir Sünder sind. [...]
Lesen Sie mehr in der Printausgabe.
|