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| Neues Archivmaterial zur Plünderung des Borgo und des Apostolischen Palasts im Jahr 1526 |
Eine kaiserfreundliche Adelsfamilie treibt den Papst in die Enge |
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Briefe von Lelio Della Valle an seinen Bruder Fabrizio. Foto: © Archivio Apostolico Vaticano, Paolo Ondarza |
Von Paolo Ondarza
Vor 500 Jahren, am 20. September 1526, griffen Truppen der Familie Colonna den »Borgo« an, wie der Stadtbezirk zwischen Engelsburg und Vatikan heute noch heißt. Dabei plünderten sie den Apostolischen Palast und zwangen Papst Clemens VII. zur Flucht in die Engelsburg. Der sogenannte »Sacco di Borgo« ging dem bekannteren »Sacco di Roma«, der Plünderung Roms durch die Landsknechte 1527, um rund siebeneinhalb Monate voraus. Im Fonds »Della Valle-Del Bufalo« des Apostolischen Vatikanischen Archivs entdeckte Quellen enthalten neue historische Details zu den Vorfällen. Dabei handelt es sich um eine Sammlung von 53 Briefen aus den Jahren 1526 und 1527 zwischen Ascanio I. Colonna, militärisches Oberhaupt einer der einflussreichsten Adelsfamilien, und seinem Leutnant, das heißt seinem militärischen Stellvertreter, Lelio Della Valle, sowie weiteren Protagonisten aus der zweiten Reihe.
Plünderung und Zerstörung
Aus den Dokumenten geht hervor, mit welcher Härte die Konflikte ausgetragen wurden. In einem Brief berichtet Lelio Della Valle seinem Bruder Fabrizio von der Plünderung und Zerstörung des Ortes Arsoli, der in Brand gesteckt wurde. Wobei sich der Verfasser des Briefs eines makabren Wortspiels bedient, da im italienischen Ortsnamen Arsoli, das Wort »arso« (verbrannt) enthalten ist, was sie denn auch gründlich getan hätten und ihnen zudem, wahrscheinlich bei der Plünderung, 5.000 Dukaten eingebracht habe.
Den historischen Hintergrund für den »Sacco di Borgo« bildeten die Spannungen zwischen Papst, Kaiser und französischem König, wobei es um die Vorherrschaft auf der italienischen Halbinsel ging. Die Wahl von Papst Clemens VII. (Giulio de’ Medici) im Jahr 1523 war auch dank der Unterstützung durch die kaiserliche Partei erfolgt. Diese wurde von Kardinal Pompeo Colonna angeführt. Es handelte sich allerdings um ein brüchiges Gleichgewicht, bedroht von den Expansionsbestrebungen Kaiser Karls V. und dem Druck von König Franz I., der den französischen Einfluss in Italien vergrößern wollte.
Nach der Niederlage des französischen Königs bei Pavia und seiner Gefangennahme (24. Februar 1525) sah Papst Clemens VII. den einzigen Ausweg zur Rettung der »Freiheit Italiens« darin, dass sich die größeren italienischen Gebiete mit Frankreich gegen den Kaiser verbündeten. So wurde am 22. Mai 1526 die Liga von Cognac geschlossen, an der sich Frankreich, Florenz, der Kirchenstaat, das Herzogtum Mailand und die Republik Venedig beteiligten. Dieser politische Kurswechsel des Papstes stieß bei der kaiserfreundlichen Adelsfamilie Colonna auf Widerstand und wurde als Verrat angesehen.
Karl V. bemühte sich zunächst um eine Lösung auf diplomatischem Weg und entsandte Ugo di Moncada nach Rom. Allerdings scheiterte die Mission, als Clemens VII. die geheimen Kontakte zwischen dem kaiserlichen Gesandten und den Colonna sowie die wahren Absichten der Habsburger entdeckte. Im August 1526 kam es dennoch zu einer Einigung: Der Papst gewährte den Colonna Vergebung, setzte sie wieder in ihre Lehen ein und gestattete ihnen den Rückzug ins Königreich Neapel im Dienste des Kaisers, unter der Bedingung, dass sie die Waffen niederlegten. Eine Einigung, die nur wenige Wochen hielt: Zwischen dem 19. und 20. September marschierten die Truppen der Colonna, unterstützt von Moncada, fast ohne Widerstand in Rom ein: Der Einmarsch wurde von einem Teil der Bevölkerung begrüßt, da sie unter der Last der Steuern litt, die ihr vom Camerlengo der Heiligen Römischen Kirche, Kardinal Francesco Armellini, aufgebürdet worden waren. Die Angreifer wurden als Verteidiger der bürgerlichen Freiheit empfangen. [...]
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