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Kultur
Die Feier der Karwoche in der Sixtinischen Kapelle

Eindrücke aus vergangenen Zeiten

Eindrücke aus vergangenen Zeiten
Papst Pius VII. in der Sixtinischen Kapelle. Das Gemälde von Jean-Auguste-Dominique Ingres wurde 1814 auf dem Pariser Salon gezeigt. Der 1809 von Napoleon verhaftete Papst war erst im Mai 1814 wieder nach Rom zurückgekehrt.
Von Ulrich Nersinger

Als die Päpste gegen Ende des 14. Jahrhunderts von Avignon in die Ewige Stadt zurückkehrten, fanden – abgesehen von den hochfeierlichen Handlungen, die in Sankt Peter oder einer der anderen Papstbasiliken vollzogen wurden – die feierlichen, öffentlichen Funktionen in den Palastkapellen des Vatikans statt. Die vornehmste Kapelle des Apostolischen Palastes wurde mit dem Pontifikat Sixtus’ IV. (Francesco della Rovere, 1471-1484) jene, die von diesem Papst ihren Namen erhalten sollte, die »Cappella Sixtina« (Sixtinische Kapelle). »Ein heiliges Haus, ein Schrein, eine Arche ist sie, zugleich der Vorgriff auf den Schlussakkord der irdischen Welt«, urteilt Reinhard Raffalt über sie.

In den Aufzeichnungen über seine »Italienische Reise« notierte Goethe unter dem Datum vom 1. März 1788: »Sonntags gingen wir in die Sixtinische Kapelle, wo der Papst mit den Kardinälen der Messe beiwohnte. Da die letzteren wegen der Fastenzeit nicht rot, sondern violett gekleidet waren, gab es ein neues Schauspiel. Einige Tage vorher hatte ich Gemälde von Albrecht Dürer gesehen und freute mich, nun so etwas im Leben anzutreffen. Das Ganze zusammen war einzig groß und doch simpel, und ich wundere mich nicht, wenn Fremde, die eben in der Karwoche, wo alles zusammentrifft, hereinkommen, sich kaum fassen können.«

Beeindruckende Zeremonien


In der Heiligen Woche kam in der Sixtinischen Kapelle bei den Trauermetten Gregorio Allegris berühmtes Miserere zur Aufführung. Die Palastkapelle war von Kerzen erhellt. Im Altarraum befand sich ein großer Leuchter mit fünfzehn Kerzen. Wenn der Papst einzog, wurde mit dem Gesang der Tenebrae begonnen. Zunächst erklang der erste Teil der Matutingebete, an deren Ende die erste Kerze gelöscht wurde. Dann folgte der zweite Teil mit den Lamentationes, den Klagen des Propheten Jeremia. Es schlossen sich die Laudes an mit dem choraliter rezitierten 50. Psalm, umrahmt von der Antiphon Justificeris Domine, und das Benedictus, der Gesang des Zacharias. Währenddessen erhob sich der Heilige Vater von seinem Faldistorium. »Mit entblößtem Haupt stand er gegenüber dem Altar und gleichzeitig wurden in genau festgelegter Reihenfolge alle Kerzen des Raumes gelöscht – bis auf eine, die erst während der Wiederholung der zum Benedictus gehörigen Antiphon Traditor autem vom Zeremoniar vom Leuchter genommen und schließlich hinter dem Altar gelöscht wurde. [...]
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