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Kultur
Der Berg Nebo in Jordanien – Geschichte, Glaube und Archäologie der Mosegedächtnisstätte

Natürlicher Balkon mit Ausblick auf die Ewigkeit

Natürlicher Balkon mit Ausblick auf die Ewigkeit
Die Mosegedächtnisstätte auf dem Berg Nebo.
Von P. Francesco Patton OFM,
ehemaliger Kustos des Heiligen Landes


Seit ein paar Monaten lebe ich nicht mehr in Jerusalem, sondern bei der Mose-Gedächtniskirche auf dem Berg Nebo in Jordanien. Sie befindet sich auf dem Gebirgszug auf der anderen Seite des Jordan, von wo aus man das Tote Meer und das zum See Gennesaret ansteigende Tal sehen kann. Auf dem Vorplatz der Basilika gibt es eine Hinweistafel für Besucher und Pilger, auf der die Entfernungen zu den Hauptorten des Heiligen Landes angegeben sind, darunter Hebron, Betlehem, Jerusalem, Jericho, Nablus… Einige von ihnen sind auf der anderen Talseite mit bloßem Auge zu erkennen, besonders bei klarem Himmel am Morgen oder wenn in der Nacht in diesen uralten, geschichtsträchtigen Städten die Lichter angehen.

Der Berg Nebo ist ein faszinierender Ort. Nach biblischer Überlieferung hat Mose hier seinen irdischen Lebensweg beendet. Er liegt nur acht Kilometer nordwestlich von Madaba, dort wo die jordanische Hochebene sich in Richtung der Senke des Toten Meeres neigt und das Jordantal mit 420 Metern unter dem Meeresspiegel den tiefsten Punkt der Erde erreicht. Und es sind nicht nur geografische Daten: es ist die Grenze zwischen der Wüste und der Hoffnung, ein Ort, wo die Topografie untrennbar verbunden ist mit der biblischen Erzählung und der Heilsgeschichte. Auf der gegenüberliegenden Seite verläuft mit der antiken »Königsstraße« eine Route, der im 4. Jahrhundert die Pilgerin Egeria und im 5. Jahrhundert der Mönch Petrus der Iberer folgten. Außerdem gelangten vielleicht sogar die Sterndeuter auf ihr aus dem Osten nach Jerusalem und dann nach Betlehem. Dank des Pilgerberichts von Egeria haben wir Informationen über ein Kloster, das sich etwas unterhalb, am Ort der »Mosequellen«, befand. Sie berichtet von der Qualität dieses Wassers, das heute noch zu Bewässerung der umliegenden Weinreben und Olivenbäume benutzt wird. Sie spricht über das Gebet der Mönche und über den Berg Nebo, den Egeria auf dem Rücken eines Esels und in Begleitung eines Mönchs besuchen konnte. Der erwähnte Mönch Petrus der Iberer war ein georgischer Prinz aus der kaukasischen Königsdynastie der Chosroiden, im Kindesalter als Geisel an den Hof des römischen Kaisers in Konstantinopel gebracht, dann Pilger auf dem Nebo, Mönch in Betlehem und schließlich Bischof von Gaza-Maiuma. Durch ihn wissen wir, dass der Ort, wo Mose starb und wo er wahrscheinlich begraben wurde, einem dortigen Hirten durch eine Erscheinung des Mose offenbart wurde. Der Mönch merkt außerdem an, dass dies »ein Ort der Heilung für Seele und Leib ist sowie ein Zufluchtsort für all jene, die – durch allerlei Arten von seelischen und körperlichen Leiden bedrückt – von überallher kommen« (vgl. Cornelia B. Horn und Robert R. Phenix Jr. (Hg.), John Rufus: The Lives of Peter the Iberian, Theodosius of Jerusalem, and the Monk Romanus, SBL, Atlanta 2008, § 121, S. 179).

Der Gebirgszug hat drei Hauptgipfel: den eigentlichen Nebo, der mit seinen 802 Metern der höchste Punkt ist; dann, nach Westen vorgeschoben, der Ras Sijaga (710 Meter), der dem Pisga der Heiligen Schrift entspricht; und schließlich der Chirbet al-Muchajat (790 Meter), Sitz der antiken Stadt Nebo (zu Geschichte und Geographie vgl. Fürst-Geiger, Im Land des Herrn, S. 756-767). [...]
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