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| Genazzano und die Mutter vom Guten Rat |
Seit Jahrhunderten Ziel von Pilgern und Päpsten |
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| Zum zweiten Mal in seinem Pontifikat ist Papst Leo XIV. am vergangenen 7. September nach Genazzano bei Rom gefahren, um dort vor der Ikone der »Mutter vom Guten Rat« zu beten. |
Von P. Rocco Ronzani OSA, Präfekt des Vatikanischen Apostolischen Archivs
Bei seinem ersten Ausflug aus dem Vatikan nach seiner Wahl besuchte Leo XIV. am 10. Mai 2025 das Städtchen Genazzano in der Region Latium. Der Papst besuchte dort das Heiligtum der Mutter vom Guten Rat, das von den Augustinerbrüdern betreut wird und am 25. April 1467 nach der wundersamen Erscheinung eines Marienbildes erbaut wurde. Während des Besuchs schrieb Leo XIV. in das Pilgerbuch: »Schon in den ersten Tagen meines Pontifikats verspürte ich die Pflicht und den tiefen Wunsch, nach Genazzano zu kommen, zum Heiligtum der Mutter vom Guten Rat, die mich mein ganzes Leben lang mit ihrer mütterlichen Gegenwart, mit ihrer Weisheit und dem Beispiel ihrer Liebe zum Sohn begleitet hat, der stets das Zentrum meines Glaubens ist. Weg, Wahrheit und Leben. Danke, Mutter, für deine Hilfe. Begleite mich bei dieser neuen Aufgabe.«
Robert Francis Prevost hatte den Wallfahrtsort über Jahrzehnte hinweg immer wieder besucht, zunächst als junger Student in Rom in den frühen 1980er-Jahren und später oft als Generalprior. Vor seiner Wahl hatte er dort anlässlich des Festes der Mutter vom Guten Rat am 25. April 2024 eine heilige Messe gefeiert. Diese Verbundenheit hat tiefe Wurzeln: Die Mutter vom Guten Rat wird in den angelsächsischen Niederlassungen der Augustiner sehr verehrt. Ihr ist die Augustinerprovinz von Chicago geweiht, und im Konvent von Genazzano begannen im Laufe des 19. Jahrhunderts die ersten aus den Vereinigten Staaten stammenden Augustiner-Novizen ihr Ordensleben. Von Genazzano aus brachen viele der Missionare auf, die die italienischen Auswanderer nach Übersee begleiteten, sowie der erste Augustinermissionar in Australien.
Religiöse Erneuerung
Die ursprüngliche Kirche Santa Maria di Genazzano existierte bereits im Jahr 1277, während die Anwesenheit der Augustiner-Eremiten seit 1283 urkundlich belegt ist. Im Jahr 1356 nahmen die Augustiner die Schenkung der Kirche durch die Adelsfamilie Colonna, die örtlichen Feudalherren, an, um im Geiste der Bettelorden eine tiefgreifende religiöse Erneuerung der Bevölkerung zu fördern.
Als Oddone Colonna aus Genazzano 1417 unter dem Namen Martin V. zum Papst gewählt wurde, begann für den Ort und die dort ansässigen Augustiner eine Phase großen Aufschwungs. Der Papst, der auch den Grundstein für die Umwandlung Roms in die päpstliche Stadt der Renaissance legte, verwandelte die mittelalterliche Befestigung von Genazzano in eine Art ideale Stadt der italienischen Spätgotik. Martin V. begünstigte die Augustiner in jeder Hinsicht; 1427 schenkte er ihnen ein kostbares mit Miniaturen verziertes Messbuch und schenkte 1431 der Marienkirche die »Goldene Rose«, mit einem kostbaren Saphir geschmückt. Papst Leo XIV. hat diese historisch und geistlich bedeutsame Gabe wiederholt. Im günstigen Klima der »renovatio martiniana« beschlossen die Brüder von Santa Maria, die Kirche und das angrenzende Kloster wieder aufzubauen.
Eine entscheidende Rolle beim Wiederaufbau der Kirche spielte Petruccia, eine Witwe und Augustiner-Terziarin, die als Selige verehrt wird. Die älteste Quelle über Petruccia und das Wunder vom 25. April 1467 bildet das 1481 in Rom veröffentlichte »Defensorium ordinis fratrum heremitarum sancti Augustini« von Ambrogio Massari da Cori, Generalprior der Augustiner und eine herausragende Persönlichkeit während der Pontifikate von Paul II. und Sixtus IV. [...]
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