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aktuelle Doppelausgabe 28-29/2026
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| San Pietro in Carcere |
Das Gefängnis der Apostelfürsten |
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| Altar der heiligen Petrus und Paulus im Mamertinischen Kerker. |
Von Ulrich Nersinger
Zwischen dem Kapitolinischen Hügel und dem Forum Romanum erhebt sich auf einer kleinen Anhöhe die Kirche San Giuseppe dei Falegnami, ein dem heiligen Josef, dem Nährvater Christi, geweihtes Gotteshaus. Es waren die »Falegnami«, die Schreiner und Zimmerleute der Ewigen Stadt, die im 16. Jahrhundert den Bau des Gotteshauses erwirkt hatten. An der Errichtung waren so berühmte Architekten wie Giacomo della Porta, Giovanni Battista Montano und Antonio del Grande beteiligt, und erlesene Kunstschätze schmücken es – doch sein bedeutendster Schatz liegt im »Untergrund«.
Düsterer Kerkerbau
Die Kirche ist errichtet an einer geschichtlichen Stätte, nämlich über dem antiken römischen Staatsgefängnis, dessen Ursprünge sich bis in das 4. Jahrhundert vor Christus zurückverfolgen lassen, möglicherweise sogar bis in die römische Königszeit hinein. Der von außen sichtbare Teil des Gebäudes besitzt eine Fassade aus Travertin; eine Inschrift mit den Namen der Konsuln C. Vibius Rufinus und M. Cocceius Nerva verrät, dass sie in der Kaiserzeit, unter der Regierung des Tiberius, errichtet wurde. Eine Rampe mit Stufen führt auf die Höhe des antiken Niveaus. Der innere Teil des Gebäudes besteht aus zwei übereinander liegenden Komplexen; der obere trägt den Namen lautumiae (Steinbrüche), weil er in die antiken Tuffsteinbrüche hineingehauen ist. An dieser Stelle befanden sich die Kerker für die weniger bedeutenden und nicht zum Tode verurteilten Gefangenen Roms, denen man sogar den Besuch von Angehörigen und Freunden gestattete. Vom Dichter Naevius (270-200 v. Chr.) wird berichtet, dass er hier sogar zwei seiner Komödien geschrieben haben soll.
Im Fußboden des Hauptraumes der Lautumiae zeigt sich ein kreuzförmiges Loch, das in früheren Zeiten der einzige Zugang in den zweiten Komplex, in die darunter liegende Kerkeranlage, war. Der römische Geschichtsschreiber Sallust gibt eine beeindruckende Schilderung dieses Ortes: »Das Gefängnis besitzt einen Tullianum genannten Teil, auf der linken Seite etwa zwölf Fuß unter der Erde gelegen. Er ist ringsum mit dicken Wänden umgeben und mit einem steinernen Gewölbe überdeckt. In seiner Verwahrlosung, seiner Finsternis und seinem Gestank bietet er einen abstoßenden Anblick« (Cat. 55). Die Bezeichnung »Tullianum« geht vermutlich auf eine im Kerker vorhandene Wasserquelle (lateinisch tullus) zurück. Archäologen sind der Meinung, dass dieser älteste Teil des Gefängnisses vom römischen König Servius Tullius erbaut wurde; vielleicht daher auch dessen ungewöhnlicher Beiname. Eine schwere Eisentür in der Wand gab einst den Zugang zu einem unterirdischen Gang frei, unter dem sich ein Kanal befand, der zur Cloaca Maxima führte. Der Abwasserkanal diente auch dazu, sich schnell und bequem der Leichen der zum Tode Verurteilten zu entledigen. [...]
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