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Kultur
Auf den Spuren Jesu im Heiligen Land – Der Fels von Golgota

»Stat crux dum volvitur orbis«

»Stat crux dum volvitur orbis«
Die höher gelegene Seitenkapelle über dem Golgota-Hügel: Die linke Hälfte mit dem Altar der Kreuzigung Jesu ist im Besitz der orthodoxen Griechen. Die rechte Hälfte der Kapelle über dem Golgota-Felsen gehört den Lateinern, vertreten durch die Franziskaner. Hier befindet sich der Altar der »Mater Dolorosa«, der Schmerzensmutter, der am rechten Bildrand zu erkennen ist. (Foto: Kustodie des Heiligen Landes).
Von P. Francesco Patton OFM,
ehemaliger Kustos des Heiligen Landes


Für Millionen Gläubige ist der Ort, an dem Jesus gekreuzigt wurde, die Achse, um die sich die Welt dreht: »Die Welt ist nichts vor dem Kreuz. Martin, der elfte Generalminister der Kartäuser, hat seinem Orden dieses Leitwort gegeben: Stat crux dum volvitur orbis«, schreibt Victor Hugo in seinem Roman Die Elenden. Golgota ist der Punkt, an dem der Gekreuzigte die Menschheit mit Gott versöhnt und die trennende Wand der Feindschaft zwischen den Menschen niedergerissen hat (vgl. Eph 2,13- 20). Die heutige Grabeskirche bewahrt und schützt die wichtigsten heiligen Stätten, die mit dem Geheimnis unserer Erlösung verbunden sind, genauer gesagt mit Kreuzigung, Tod, Grablegung und Auferstehung Jesu. Bei den Gläubigen des christlichen Orients trägt dieser Ort den Namen »Anastasis«: Auferstehung. Bevor wir jedoch zur österlichen Botschaft des leeren Grabes kommen, die wir im nächsten Artikel behandeln werden, müssen wir unsere Aufmerksamkeit auf den Golgotafelsen richten, das heißt auf das Geheimnis des Kreuzes.

Geschichte des Ortes: Schutt in einem ehemaligen Steinbruch

Neuere archäologische Untersuchungen haben uns eine bessere Kenntnis von der Geschichte dieses Ortes vermittelt, wozu unter anderen der Franziskanerarchäologe Virgilio Corbo und in jüngerer Zeit das Team um Frau Prof. Francesca Romana Stasolla beigetragen haben. Vom 7. bis zum 1. Jh. v. Chr. war dieses Gebiet ein Steinbruch, der vor der Stadtmauer Jerusalems lag. Die Steinmetzen jener Zeit waren auf der Suche nach dem weißen Meleke-Kalkstein, der wegen seiner besonderen Härte geschätzt wurde, aber gerade der Bereich des Golgota besteht aus einem brüchigeren und geäderten Stein geringerer Qualität. Dieser Felsen blieb daher als isolierte Anhöhe stehen. 

Im Lauf der Jahrhunderte füllten sich die durch Entnahme der Steinblöcke entstandenen Vertiefungen mit Schutt und Erde. So verwandelte sich das zerklüftete Gelände in einen vor der Stadt gelegenen Begräbnisplatz, unterbrochen von kleinen landwirtschaftlichen Anbauflächen. Das erklärt die Beschreibung des Evangelisten Johannes: »An dem Ort, wo man ihn gekreuzigt hatte, war ein Garten« (19,41). Golgota, die »Schädelstätte «, war also schon ursprünglich in verschiedene Grundstücke aufgeteilt: eines, das der Regierung gehörte, wo auch Kreuzigungen stattfanden; eines, das einem Gärtner oder Gemüsehändler gehörte, und wieder eines, dessen Eigentümer Josef von Arimathäa gewesen sein könnte, wie der Franziskanerarchäologe Bellarmino Bagatti vermutet. Der Golgotafelsen bildete daher einen idealen natürlichen Sockel für römische Hinrichtungen, die gut sichtbare Orte in der Nähe von Durchgangsstraßen verlangten, um eine abschreckende Wirkung zu erzielen. Die jüdische Sensibilität machte es zudem erforderlich, dass dies außerhalb der Stadtmauern geschah, analog zur Praxis der Steinigung, die sowohl für Gotteslästerer (vgl. L ev 24,14) als auch für Verstöße gegen das Sabbatgebot (vgl. Num 15,35-36) vorgesehen war und außerhalb des Lagers durchgeführt werden sollte. Der Verfasser des Hebräerbriefes merkt in einer Deutung des Todes Jesu als Opfer an: »Die Leiber der Tiere, deren Blut vom Hohepriester zur Sühnung der Sünde in das Heiligtum gebracht wird, werden außerhalb des Lagers verbrannt. Deshalb hat auch Jesus, um durch sein eigenes Blut das Volk zu heiligen, außerhalb des Tores gelitten« (13,11-12).

Der Ort, an dem sich die größte Liebe gezeigt hat

Heute befindet sich »Golgota« in einer höher gelegenen Seitenkapelle im Inneren der Grabeskirche. Die Architekten von Kaiser Konstantin hatten 326. n. Chr. damit begonnen, das Heilige Grab und den Ort der Kreuzigung freizulegen, wobei sie alle künstlichen Aufschüttungen wegräumten und die von Kaiser Hadrian errichteten heidnischen Bauten niederrissen.  [...]
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