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Aus dem Vatikan
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| Aus dem Vatikan |
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| Generalaudienz in der »Aula Paolo VI« am 14. Januar |
Die Gnade macht uns zu Freunden Gottes |
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| Thema der Katechese des Papstes bei den wöchentlichen Generalaudienzen sind seit Jahresbeginn die Texte des Zweiten Vatikanischen Konzils (1962-1965). An diesem Mittwoch ging es um die Dogmatische Konstitution »Dei Verbum« über die göttliche Offenbarung. Das Lehrdokument, das am 18. November 1965 verkündet wurde, sei »eines der schönsten und wichtigsten Dokumente des Konzils«, betonte Leo XIV. |
Liebe Brüder und Schwestern, guten Tag und herzlich willkommen!
Wir haben die Katechesereihe über das Zweite Vatikanische Konzil begonnen. Heute fangen wir an, die Dogmatische Konstitution Dei Verbum über die göttliche Offenbarung zu vertiefen. Es handelt sich um eines der schönsten und wichtigsten Dokumente der Konzilsversammlung, und als Einführung dazu kann es uns helfen, die Worte Jesu ins Gedächtnis zu rufen: »Ich nenne euch nicht mehr Knechte; denn der Knecht weiß nicht, was sein Herr tut. Vielmehr habe ich euch Freunde genannt; denn ich habe euch alles mitgeteilt, was ich von meinem Vater gehört habe« (Joh 15,15). Das ist ein wesentlicher Punkt des christlichen Glaubens, den die Konstitution Dei Verbum in Erinnerung ruft: Jesus Christus verwandelt die Beziehung des Menschen zu Gott radikal, von jetzt an wird es eine Freundschaftsbeziehung sein. Die einzige Bedingung des neuen Bundes ist daher die Liebe.
Der heilige Augustinus betont in seinem Kommentar zu diesem Abschnitt des vierten Evangeliums den Aspekt der Gnade, die allein uns zu Freunden Gottes in seinem Sohn machen kann (Vorträge über das Johannes-Evangelium, 86. Vortrag). Denn ein alter Spruch lautete: »Amicitia aut pares invenit, aut facit«, »Freundschaft setzt Gleichheit voraus oder stellt sie her.« Wir sind nicht Gott gleich, aber Gott macht uns in seinem Sohn sich selbst ähnlich.
Wie wir in der gesamten Heiligen Schrift sehen können, gibt es daher im Bund zunächst einmal eine Distanz, da das Bündnis zwischen Gott und dem Menschen immer asymmetrisch bleibt: Gott ist Gott, und wir sind Geschöpfe. Aber mit der Ankunft des Sohnes im menschlichen Fleisch öffnet sich der Bund zu seinem endgültigen Ziel: In Jesus macht Gott uns zu seinen Kindern und beruft uns, ihm trotz unserer menschlichen Schwäche ähnlich zu werden. Unsere Gottesebenbildlichkeit wird also nicht durch das Übertreten der Gebote und die Sünde erlangt, wie die Schlange Eva einflüstert (vgl. Gen 3,5), sondern in der Beziehung zum menschgewordenen Gottessohn.
Die Worte Jesu, des Herrn, die wir erwähnt haben – »Ich habe euch Freunde genannt« – werden in der Konstitution Dei Verbum aufgegriffen: »In dieser Offenbarung redet der unsichtbare Gott (vgl. Kol 1,15; 1 Tim 1,17) aus überströmender Liebe die Menschen an wie Freunde (vgl. Ex 33,11; Joh 15,14-15) und verkehrt mit ihnen (vgl. Bar 3,38), um sie in seine Gemeinschaft einzuladen und aufzunehmen« (Nr. 2). Der Gott des Buches Genesis hat sich schon den Stammeltern kundgetan, indem er mit ihnen sprach (vgl. Dei Verbum, 3); und als dieses Gespräch durch die Sünde unterbrochen wird, hört der Schöpfer nicht auf, die Begegnung mit seinen Geschöpfen zu suchen und immer wieder einen Bund mit ihnen zu schließen. In der christlichen Offenbarung, als Gott, um uns zu begegnen, in seinem Sohn Fleisch wird, wird das unterbrochene Gespräch endgültig wiederaufgenommen: Der Bund ist neu und ewig, nichts kann uns von seiner Liebe trennen. Gottes Offenbarung hat also den Gesprächscharakter der Freundschaft und hält, ebenso wie in der Erfahrung der menschlichen Freundschaft, eine Sprachverweigerung nicht aus, sondern nährt sich durch den Austausch wahrer Worte. [...]
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