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Aus dem Vatikan
Generalaudienz auf dem Petersplatz am 27. Mai

Erneuerung muss in Kontinuität mit der Tradition erfolgen

Erneuerung muss in Kontinuität mit der Tradition erfolgen
Liebe Brüder und Schwestern,
guten Tag und herzlich willkommen!

In der »Enzyklika Mediator« Dei schreibt der ehrwürdige Diener Gottes Pius XII.: »Die Kirche ist ohne Zweifel ein lebendiger Organismus; deshalb wächst sie und entfaltet sie sich auch in ihrer heiligen Liturgie und passt sich den zeitbedingten Notwendigkeiten und Umständen an, immer jedoch unter Wahrung der Unversehrtheit ihrer Lehre« (59). 

In voller Kontinuität mit diesem Grundsatz hält es das Zweite Vatikanische Konzil, wie es im Proömium der Konstitution Sacrosanctum concilium (SC) heißt, »auch in besonderer Weise für seine Aufgabe, sich um Erneuerung und Pflege der Liturgie zu sorgen« (1). Denn das Konzil hatte sich versammelt, um »das christliche Leben unter den Gläubigen mehr und mehr zu vertiefen, die dem Wechsel unterworfenen Einrichtungen den Notwendigkeiten unseres Zeitalters besser anzupassen, zu fördern, was immer zur Einheit aller, die an Christus glauben, beitragen kann, und zu stärken, was immer helfen kann, alle in den Schoß der Kirche zu rufen« (ebd.)

Reichtum der Liturgie

In diesem historischen Augenblick verspürte man das starke Bedürfnis nach einer Erneuerung der rituellen Formen, mit denen die Kirche seit Jahrhunderten Gott verehrt und das christliche Volk geheiligt hatte. Dank der Liturgischen Bewegung war die Überzeugung herangereift, die der heilige Johannes Paul II. später so zum Ausdruck brachte: »Es besteht nämlich eine sehr enge und organische Verbindung zwischen der Erneuerung der Liturgie und der Erneuerung des gesamten Lebens der Kirche. Die Kirche handelt nicht nur in der Liturgie, sondern prägt sich auch darin aus; sie lebt von der Liturgie und gewinnt aus der Liturgie ihre Lebenskraft« (Schreiben Dominicae cenae, 13).

Um den Zugang der Gläubigen zum Reichtum der von der heiligen Liturgie gespendeten Gnadengaben zu erleichtern, verweist die Konstitution Sacrosanctum Concilium mit einer sehr einprägsamen Formulierung auf die Ausrichtung, die dabei zu befolgen ist: »damit die gesunde Überlieferung gewahrt bleibe und dennoch einem berechtigten Fortschritt die Tür aufgetan werde« (SC 23).

Papst Benedikt XVI. hat in dieser Absichtserklärung das »Reformprogramm« der Konzilsväter erkannt, »im Gleichgewicht der großen liturgischen Tradition der Vergangenheit mit der Zukunft«. Er sagt: »Nicht selten werden Tradition und Fortschritt auf ungeschickte Weise miteinander in Gegensatz gebracht «, aber »in Wirklichkeit ergänzen die beiden Begriffe einander: Die Tradition ist eine lebendige Wirklichkeit und schließt daher in sich das Prinzip der Entwicklung, des Fortschritts ein. Es ist, als bringe der Fluss der Tradition immer seine Quelle mit sich und strebe zu seiner Mündung« (Ansprache an die Mitglieder des Päpstlichen Liturgischen Instituts Sant’Anselmo zum 50. Jahrestag seiner Gründung, 6. Mai 2011).  [...]
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