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Apostolische Reise nach Großbritannien
Interview mit Papst Benedikt XVI. auf dem Flug nach Edinburgh
Die Kirche muß für Jesus Christus transparent sein
 
Auf dem Flug von Rom nach Edinburgh beantwortete der Heilige Vater Fragen der 70 mitreisenden Journalisten aus der ganzen Welt. Einige waren extra aus dem Vereinigten Königreich gekommen, um sich dieser Gruppe bereits auf dem Flug anzuschließen. Zu Beginn hieß der Direktor des Presseamtes des Heiligen Stuhls, P. Federico Lombardi SJ, Papst Benedikt herzlich willkommen und bedankte sich bei ihm, daß er sich diese Zeit nehme. P. Lombardi sagte: »Wie üblich haben die Kollegen in den vergangenen Tagen verschiedene Fragen eingereicht, die wir Ihnen für dieses erste Gespräch vorlegen wollen, am Beginn einer mit großer Spannung erwarteten und anspruchsvollen Reise, die wunderschön werden wird, so hoffen wir. Ich habe eine Reihe von Fragen aus den Vorschlägen ausgewählt. Ich werde Sie Ihnen auf italienisch stellen, um Sie nicht zu sehr zu ermüden. Die Kollegen werden einander beim Verstehen helfen, falls sie nicht gut italienisch können.«

Die erste Frage: Im Laufe der Vorbereitung dieser Reise gab es Diskussionen und Gegenpositionen. In der Vergangenheit des Landes gab es starke antikatholische Strömungen. Machen Sie sich Sorgen darüber, wie man Sie empfangen wird?

Papst Benedikt XVI.: Zunächst wünsche ich Ihnen einen guten Tag und uns allen einen guten Flug. Ich muß sagen, daß ich nicht besorgt bin. Denn als ich nach Frankreich ging, hieß es, daß dies das antiklerikalste Land sei, mit starken antiklerikalen Strömungen und sehr wenigen Gläubigen; als ich in die Tschechische Republik gereist bin, hieß es, daß dies das areligiöseste Land Europas und auch das antiklerikalste sei. So gibt es in den westlichen Ländern, in jedem auf besondere Art und der eigenen Geschichte entsprechend, starke antiklerikale und antikatholische Strömungen, aber es gibt auch immer eine starke Präsenz des Glaubens.
So habe ich in Frankreich und in der Tschechischen Republik gesehen und erlebt, daß die katholische Gemeinschaft mir einen herzlichen Empfang bereitet hat. Es gab viel Aufmerksamkeit von seiten der Agnostiker, die doch auf der Suche sind und die Werte, die die Menschheit voranbringen, kennenlernen und erfahren möchten. Und sie waren sehr aufmerksam, um von mir in dieser Hinsicht etwas erfahren zu können. Es gab auch Toleranz und Respekt von seiten derer, die antikatholisch sind. Natürlich hat Großbritannien seine eigene antikatholische Geschichte, das ist klar, aber es ist auch ein Land mit einer großen Tradition der Toleranz. Deshalb bin ich sicher, daß es auf der einen Seite einen positiven Empfang von den Katholiken und Gläubigen geben wird; im allgemeinen Aufmerksamkeit von denen, die auf der Suche sind, wie sie in dieser unserer Zeit weitergehen sollen, und gegenseitigen Respekt und Toleranz dort, wo es Antikatholizismus gibt. Ich gehe mit großer Zuversicht und Freude voran.

Pater Lombardi: Das Vereinigte Königreich wird wie viele andere westliche Länder – ein Thema, das Sie schon in der ersten Antwort angesprochen haben – als ein säkulares Land betrachtet. Es gibt starke atheistische Strömungen, auch aus kulturellen Beweggründen; dennoch gibt es auch Anzeichen dafür, daß der religiöse Glaube, vor allem an Jesus Christus, auf persönlicher Ebene immer noch lebendig ist. Was kann das für Katholiken und Anglikaner bedeuten? Kann man etwas tun, um die Kirche als Institution auch glaubwürdiger und anziehender für alle zu machen?

Papst Benedikt XVI.: Ich würde sagen, daß eine Kirche, die vor allem versucht, attraktiv zu sein, schon auf dem falschen Weg ist. Denn die Kirche arbeitet nicht für sich, sie arbeitet nicht dafür, ihre Mitgliedszahlen und damit die eigene Macht zu vergrößern. [...]

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